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«Können Wachstum selbst finanzieren»

26.05.2010 | Finanz und Wirtschaft

Jörg Wolle, der CEO und Verwaltungsratsdelegierte von DKSH über die Marktchancen in Asien und die Kapitalmarktfähigkeit des Traditionshauses.

Market Expansion Services sind die Spezialität der privat gehaltenen DKSH: Die Gesellschaft ist eine Dienstleisterin, die anderen Unternehmen und Marken dabei hilft, in neuen oder bereits existierenden Märkten zu wachsen. Mit 560 Niederlassungen in 35 Ländern – 20 davon in Europa und in Nord- und Südamerika – und 22 000 Beschäftigten zählt DKSH zu den 20 grössten Unternehmen der Schweiz. 2009 erwirtschaftete sie 8,6 Mrd. Fr. Umsatz. Jörg Wolle, Chief Executive Officer und Delegierter des Verwaltungsrats, ist zuversichtlich, dass es dem Unternehmen trotz Turbulenzen in der wichtigsten Marktregion Thailand gelingen wird, wie bisher rascher als der Markt zu wachsen und eine zweistellige Gewinnzunahme zu erarbeiten. Zur Finanzierung genügen gemäss Wolle die eigenen Mittel, zumal 70 bis 75% des Gewinns im Unternehmen reinvestiert werden.

Herr Wolle, DKSH erwirtschaftet gut 40% des Umsatzes in Thailand. Das Land ist politisch unruhig. Können Sie die Folgen des Aufruhrs für das Geschäft bereits abschätzen?

Die traurigen Unruhen drücken vor allem auf das Gemüt, weniger auf das Geschäft. Dieses zeigte sich bisher glücklicherweise enorm robust, dank unserer starken Marktposition und der breiten Diversifikation unserer Aktivitäten. Bis Ende April lag unser Umsatz in Thailand 12% über dem Vorjahreswert, der Gewinn 23%. Zwei Bereiche leiden: Unser Luxus- und Lifestylegeschäft mit Boutiquen für Bally, Montblanc und Levi’s spürt die stark rückläufige Zahl der Touristen. Von den weit über hundert Levi’s-Boutiquen und Shops in Shops, die wir in Thailand betreiben, fielen sechs Geschäfte den Vandalenakten und Brandstiftungen zum Opfer. Die Hauptgeschäftsfelder Pharma und Konsumgüter des täglichen Bedarfs laufen nach wie vor gut.

Demnach befürchten Sie keine Langzeitfolgen?

Ich möchte die Probleme für das Land nicht verniedlichen. DKSH, so beurteile ich es aus heutiger Sicht, wird mit den Bedingungen umgehen können. Unser Credo lautet: Wir sehen uns in den Ländern, in denen wir geschäften, als Gast des Volkes. Die Regierungen wechseln, das Volk bleibt, und wir bleiben auch und passen uns der jeweiligen Situation an. Thailand bleibt für uns ein Kernmarkt.

DKSH ist vergleichsweise gut durch das Rezessionsjahr gekommen. In Asien allein hätte sogar ein Rekordergebnis resultiert. Was macht Ihr Geschäftsmodell so widerstandsfähig?

Unser Unternehmen ist hoch spezialisiert in den einzelnen Aktivitäten und gleichzeitig extrem breit abgestützt in Bezug auf Geschäftsfelder, Industrien, Regionen, Warenströme, Wertschöpfungskette und Kundensegmente. Das gilt für die Beschaffungsmärkte wie für die Absatzländer und auch die Industrien, die wir beliefern. Wir sind so in der Lage, wirtschaftliche Schwankungen gut ausgleichen zu können. Das Konsumgüter- und das Pharmageschäft laufen immer. In einem Abschwung verlagern wir beispielsweise kurzfristig den Fokus im Technologiegeschäft vom Neuverkauf von Kapitalinvestitionsgütern auf das Service- und Instandhaltungsgeschäft für die installierte Basis.

Autor: Wolfgang Gamma

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